Profil

Anna Hirsch ist Philosophin, Medizinethikerin und klinische Ethikberaterin. In ihrer Promotion „Autonomie und Wohlergehen. Eine philosophische Untersuchung ihres Verhältnisses in der Patientenversorgung“ ist sie der Frage nachgegangen, inwiefern eine differenzierte Auseinandersetzung mit den Begriffen der Autonomie und des Wohlergehens zu einem besseren Verständnis von und Umgang mit ethischen Konflikten zwischen ärztlichen Autonomie- und Wohltunspflichten beitragen kann. In ihrer aktuellen Forschung und Lehre befasst sich Anna mit unterschiedlichen ethischen Fragestellungen und Herausforderungen im Kontext von Medizin und Patient*innenversorgung, insbesondere mit pädiatrischer Ethik, mit Wohlergehen und Enhancement. Sie ist Principal Investigator im DFG-Projekt „‘Das Kind im Mittelpunkt‘: Konfligierende Interessen und Verpflichtungen in pädiatrischen Entscheidungen ethisch gut begründet abwägen“ und leitet ein weiteres Drittmittelprojekt, das sich mit ethischen Fragestellungen im Kontext von kindlicher Adipositas befasst. Zudem engagiert sich Anna als Koordinationsmitglied des Netzwerks Junge Medizinethik, einem Forum der AEM, für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

Weitere Informationen

Förderorganisation: Verein zur Förderung von Wissenschaft und Forschung (WiFoMed) an der Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München e.V.

Förderzeitraum: 01.04.2026 – 31.03.2027

Bewilligungssumme: 12.700€

Projektleitung: Dr. phil. Anna Hirsch

Teammitglied: Sofia Schwarz

Die Weltgesundheitsorganisation bezeichnet Adipositas bei Kindern als eine der größten globalen Gesundheitsherausforderungen und verweist auf besorgniserregende Trends seit der COVID-19-Pandemie. Adipositas kann zu Gesundheitsproblemen führen, die sich insbesondere im Erwachsenenalter zeigen, darunter Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und obstruktive Schlafapnoe. Darüber hinaus sind Kinder mit Adipositas häufiger von Mobbing, sozialer Ausgrenzung und Bodyshaming betroffen, was sich negativ auf ihre psychische Gesundheit auswirken kann. Adipositas beeinflusst jedoch nicht nur gesundheitsbezogene Aspekte des Wohlergehens von Kindern, sondern kann auch Konsequenzen für andere Lebensbereiche, etwa den schulischen Bereich, Freundschaften, Freizeitgestaltung und Identitätsentwicklung haben.
Das Projekt geht der Frage nach, welche Wohltunspflichten wir gegenüber Kindern mit Adipositas haben. Dazu wird einumfassendes Verständnis des Kindeswohls zugrunde gelegt, das sowohl auf empirischen Untersuchungen als auch auf analytisch-konzeptionellen Überlegungen beruht. Es wird analysiert, inwieweit ein solches Verständnis des Kindeswohls bei komplexen Behandlungsentscheidungen im Falle kindlicher Adipositas Orientierung geben kann. Das übergeordnete Ziel des Forschungsprojekts ist es, das Wohlergehen von Kindern sowohl in öffentlichen Diskussionen über kindliche Adipositas als auch in individuellen Behandlungsentscheidungen stärker in den Mittelpunkt zu rücken und dabei auch der subjektiven Perspektive betroffener Kinder ausreichend Raum zu geben. Es soll sichtbar werden, dass es im Umgang mit und in der Behandlung von kindlicher Adipositas gewöhnlich um weit mehr geht als nur um gesundheits- und gewichtsbezogene Aspekte.

Publikationsliste