Anmeldung: ab Herbst 2026
Ethische Grundfragen und praktische Heraus-forderungen der Kinder- und Jugendmedizin im interdisziplinären Dialog
In der medizinischen und pflegerischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen treten eine Reihe grundlegender ethischer Fragen und Herausforderungen auf, die sich von jenen in der Erwachsenenmedizin unterscheiden. Gründe hierfür sind die spezifische Vulnerabilität von Kindern, ihre noch nicht oder nur zum Teil vorhandene Selbstbestimmungsfähigkeit und die Tatsache, dass durch die Einbeziehung der Eltern bzw. Sorgeberechtigten aus der gewöhnlichen Zweierbeziehung zwischen Gesundheitsfachperson und Patient bzw. Patientin eine Dreieckskonstellation wird, die Entscheidungsprozesse kompliziert. So muss etwa oft über unterschiedliche Ansichten, was im besten Interesse des Kindes ist, verhandelt werden. Insbesondere jene Minderjährigen, die selbst noch nicht (vollumfänglich) einwilligungsfähig sind, müssen als besonders vulnerable Patientengruppe gelten, deren Wohlergehen, Interessen und Bedürfnisse eigens geschützt werden müssen. Ein weiterer zu berücksichtigender Aspekt ist, dass in der Kindheit wesentliche Voraussetzungen für Gesundheit und Wohlergehen im Erwachsenenalter geschaffen werden, weshalb medizinische Entscheidungen in dieser Lebensphase besonders weitreichende Folgen haben können. Zugleich darf das aktuelle Wohlergehen von Kindern als Kinder nicht vernachlässigt werden. Zwischen dem Schutz und der Förderung des zukünftigen und des aktuellen Wohlergehens von Kindern können demnach Konflikte auftreten, die spezifische ethisch relevante Herausforderungen mit sich bringen.
Mit der Fortentwicklung der Medizin, aber auch mit technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen im Allgemeinen ergeben sich in der Kinderheilkunde und Jugendmedizin neue Fragestellungen und Themen, die neben den nach wie vor bestehenden philosophisch-ethischen Grundfragen einer eingehenden Reflexion bedürfen. Die Fortschritte in der Ganzgenomsequenzierung werfen Fragen nach der ethischen Bedeutung von Nichtwissen auf und können die Gefahr einer Medikalisierung oder gar Stigmatisierung mit sich bringen. Neue experimentelle Gen- und Zelltherapien bieten großartige Chancen für die Behandlung seltener und chronischer Erkrankungen, erfordern aber auch eine besonders sorgfältige Reflexion von Risiken und Kosten. Der angemessene Umgang mit den wachsenden Problemen kindlicher Adipositas auf der einen sowie psychiatrischen Auffälligkeiten im Kindesalter auf der anderen Seite stellt die professionelle medizinisch-pflegerische Versorgung vor große Herausforderungen. Themen wie Geschlechtsdysphorie und Transidentität im Jugendalter bringen ein großes Konfliktpotential mit sich, weil die medizinische Behandlung mit weitreichenden Folgen für das Erwachsenenalter verbunden ist. Nicht zuletzt ergeben sich auch durch die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit und die medizinisch-pflegerische Versorgung zukünftiger Kindergenerationen neue globale ethische Herausforderungen, die mittlerweile unter dem Stichwort „Planetary Child Health“ zu Recht viel Aufmerksamkeit erhalten.
Die Tagung führt die im deutschsprachigen Raum vorhandene Expertise zusammen, bietet die Grundlage für eine Vernetzung der verschiedenen Fächer im deutschsprachigen Raum und soll einen interdisziplinären Austausch anregen, der die philosophisch-konzeptionelle Analyse zentraler Begriffe der pädiatrischen Ethik mit normativ-ethischen Überlegungen, empirischer Forschung und Erfahrungen aus der Praxis zusammenbringt und neue interdisziplinäre Forschungskooperationen initiiert.
Ziel der Tagung ist es, einen Überblick über die grundlegenden ethischen Fragen der Kinderheilkunde und Jugendmedizin sowie über aktuelle ethische Herausforderungen zu vermitteln und diese einem interdisziplinären Fachpublikum ebenso wie in der Praxis tätigen Personen zugänglich zu machen.
Programm
Folgt in Kürze.
Call
Wir haben aktuell noch Platz für 2 weitere Vorträge und bitten um die Einreichung von Abstracts (max. 250 Wörter). Besonders willkommen sind Beiträge zu ethischen Fragestellungen und Herausforderungen in der Kinder- und Jugendmedizin im Zusammenhang mit digitalen Technologien im Gesundheitskontext. Beiträge aus unterschiedlichen Disziplinen sind ausdrücklich erwünscht. Übernachtungs- und Reisekosten für Vortragende können gem. Bayerischen Reisekostengesetz übernommen werden.
Einreichungsfrist: 17. Juli 2026