EU-Projekte mit Sprecherschaft

Das europäische Forschungsrahmenprogramm „Horizont Europa“ (2021-2027) bündelt nahezu alle forschungs- und innovationsrelevanten Förderprogramme der Europäischen Kommission.

BMBF/EU-Verbund
UNITE4TB - Academia and industry united innovation and treatment for tuberculosis
Wissenschaftlicher Leiter
Prof. Dr. Michael Hoelscher
Einrichtung
Institut für Infektions- und Tropenmedizin
Förderung
2021 bis 2028
Webseite
Projektbeschreibung in CORDIS
Themen
Wie bei vielen bakteriellen Erkrankungen gefährdet auch bei der Tuberkulose eine Arzneimittelresistenz die Wirksamkeit der bestehenden Behandlungen. Zwar gibt es bereits neue Medikamente, die klinisch geprüft werden sollen, die Erprobung der verschiedenen Kombinationen bleibt aber doch zeitaufwändig und erfordert gemeinsame Anstrengungen. Das EU-finanzierte Projekt UNITE4TB bringt daher Fachleute auf diesem Gebiet zusammen, um neue Standards für klinische Phase-II-Studien in Bezug auf Tuberkulose zu entwickeln und zu bestimmen. Das Team wird auf bestehende Netzwerke auf allen Kontinenten zurückgreifen, um Patientinnen und Patienten für Studien zu rekrutieren sowie modernste mikrobiologische Methoden und Technologien des maschinellen Lernens einzuführen. Daten zu Biomarkern und zur klinischen Pharmakologie werden den Validierungsprozess der neuen Medikamente begleiten, um ihren späteren Erfolg in der Forschungskette der Wirkstoffentwicklung sicherstellen zu können.

Quelle: CORDIS
ERA-NET
NeuroPain - Präzisionsneuromodulation bei chronischen Schmerzen: Kombination von funktioneller MRT und fokussiertem Ultraschall für eine personalisierte Behandlung
Sprecher
Dr. Enrico Schulz
Einrichtung
Klinik und Poliklinik für Radiologie
Förderung
seit 2026
Webseite
Projektbeschreibung ERA-NET
Themen
Chronische Schmerzen sind ein vielschichtiges und lebensbeeinträchtigendes Leiden, von dem Millionen Menschen weltweit betroffen sind. Ihre vielfältigen Erscheinungsformen, sowohl zwischen als auch innerhalb einzelner Personen, unterstreichen die Notwendigkeit neuartiger, personalisierter Therapieansätze. Das vorgeschlagene Projekt kombiniert funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) und fokussierten Ultraschall (FUS), um einen innovativen zweistufigen Ansatz zur Behandlung chronischer Schmerzen zu entwickeln. Durch den Einsatz von Neuroimaging zur Lokalisierung schmerzrelevanter Hirnregionen und hochpräziser Neuromodulation zielt unsere Forschung darauf ab, die personalisierte Medizin in der Therapie chronischer Schmerzen voranzubringen. In einer placebokontrollierten Doppelblind-Crossover-Studie erhält jeder der Teilnehmer (12 Frauen/12 Männer) mit chronischen Schmerzen drei FUS-Interventionen: 1) allgemeine kortikale Zielbehandlung (z. B. der vorderen Insula), 2) personalisierte Zielbehandlung und 3) Scheinstimulation als Placebokontrolle. Über fünf Sitzungen hinweg wird mittels fMRT zuverlässig individuell spezifische kortikale Bereiche kartiert, die mit der Schmerzwahrnehmung korrelieren. Anschließend durchlaufen die Teilnehmer mehrere FUS-Sitzungen, um die Wirksamkeit der gezielten Neuromodulation bei der Verringerung der Intensität chronischer Schmerzen zu bewerten. Die Neuheit der Studie liegt in ihrem personalisierten Ansatz, der modernste Neurobildgebung mit nicht-invasiver Neuromodulation verbindet, um der Heterogenität chronischer Schmerzen Rechnung zu tragen.


Quelle: neuron-eranet
ERA-NET
VasOx - Role of oxidative stress for neuro-vascular function
Sprecher
Prof. Dr. Nikolaus Plesnila
Einrichtung
Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung (ISD)
Förderung
seit 2022
Webseite
Projektbeschreibung ERA-NET
Themen
Reaktive Sauerstoffspezies (ROS) spielen eine schädliche Rolle bei der Reperfusion nach einer zerebralen Ischämie, der derzeitigen Standardtherapie für ischämische Schlaganfälle. Die genauen vaskulären und zellulären Mechanismen dieser „Reperfusionsschädigung“ sind jedoch noch weitgehend unbekannt, da es an Methoden zur Messung von ROS in vivo und an Tiermodellen fehlt, die eine kontrollierte zeitliche und räumliche Induktion von ROS ermöglichen. In diesem Projekt wird eine neuartige multicistronische chemogenetische Technologie eingesetzt, um ROS zellspezifisch in vivo zu messen und zu induzieren. Diese chemogenetischen Werkzeuge werden in Kombination mit in vivo 2-Photonenmikroskopie und Einzelzelltranskriptomik eingesetzt, um 1) ROS in einem Schlaganfallmodell der Maus in Zellen der neurovaskulären Einheit (NVU) zu messen, um die zelluläre Quelle der ROS-Produktion während der Reperfusion nach zerebraler Ischämie zu identifizieren, 2) die ROS-Produktion in der NVU gesunder Tiere zu induzieren, um die spezifische Rolle von ROS für die neurovaskuläre Funktion und Dysfunktion zu identifizieren, und 3) Gene zu identifizieren, die durch die zellspezifische ROS-Produktion induziert werden. Die Ergebnisse des laufenden Projekts werden das zeitliche und zelluläre Profil der ROS-Produktion nach zerebraler Ischämie aufzeigen und die zugrunde liegende Genexpression entschlüsseln, wodurch neue molekulare und zelluläre Ziele für künftige präzisionsmedizinische Therapeutika für Schlaganfallpatienten definiert werden.

Quelle: neuron-eranet
ERA-NET
BiotaBB - Modulation of brain barrier function by microbiota-derived factors in cerebral ischemia
Sprecherin
Dr. Corinne Benakis
Einrichtung
Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung (ISD)
Förderung
seit 2022
Webseite
Projektbeschreibung ERA-NET
Themen
Ziel unseres Projekts „BiotaBrainBarrier“ ist es, die Rolle von aus der Mikrobiota stammenden Faktoren bei der Wiederherstellung der beeinträchtigten Hirnschrankenfunktion bei zerebraler Ischämie zu untersuchen. Jüngste Erkenntnisse zeigen, dass die Darmmikrobiota die Hirnfunktion bei Gesundheit und Krankheit moduliert, indem sie auf die verschiedenen Hirnbarrieren - die Blut-Hirn-Schranke (BHS) und die Hirnhäute - einwirkt. Bisher ist noch nicht untersucht worden, ob Stoffwechselprodukte des Darms die Dysfunktion der Hirnschranken bei Schlaganfall beeinflussen. Hier werden wir das einzigartige und komplementäre Fachwissen von drei Labors kombinieren: Experimentelle Modelle zur Regulierung der Mikrobiota bei zerebraler Ischämie (Benakis, Deutschland), In-vitro-Modelle der menschlichen Darm- und Hirnbarriere (Mustafaoglu, Türkei) und therapeutische Ansätze bei Schlaganfallpatienten (Hirt, Schweiz). Der kombinierte Mehrwert wird es uns ermöglichen, die folgenden Ziele zu erreichen: 1) Testen von mikrobiellen Metaboliten bei der Modulation der Infiltration des Gehirns durch Immunzellen an der meningealen Schranke; 2) Untersuchung der zugrunde liegenden biologischen Mechanismen von mikrobiellen Metaboliten auf die BHS und das Ergebnis des Schlaganfalls; 3) Korrelieren der Ergebnisse aus einer klinischen Sondierungsstudie unter Verwendung eines mikrobiellen Metaboliten. Die Ergebnisse dieses ursprünglichen Vorschlags haben das große Potenzial, neue Erkenntnisse über die Regulierung der Hirnschranke im Zusammenhang mit dem Schlaganfall zu liefern, indem die von der Mikrobiota stammende Komponente kritisch untersucht wird, was ein neues Ziel für die Entwicklung innovativer therapeutischer Strategien für Personen mit zerebrovaskulären Erkrankungen darstellt.

Quelle: neuron-eranet
ERA-NET
IMMOSCAN - The role of immuneosteoclasts in cancer – implications for therapy
Sprecherin
Prof. Dr. Hanna Taipaleenmäki
Einrichtung
Institut für Muskuloskelettale Medizin
Förderung
seit 2022
Webseite
Themen
Primäre und sekundäre Knochentumoren betreffen Patient:innen vom Kindes- bis ins hohe Erwachsenenalter. Trotz Fortschritten in Diagnostik und Behandlung sind Knochentumoren bislang nicht heilbar, sodass neue Therapieansätze erforderlich sind. Im Knochenmikromilieu (ME) stören Krebszellen das physiologische Gleichgewicht zwischen knochenbildenden Osteoblasten, knochenresorbierenden Osteoklasten (OCs) und Immunzellen, was zu einer übermäßigen, durch OCs vermittelten Knochenzerstörung führt.
Neben ihrer Funktion bei der Knochenresorption wurden OCs kürzlich auch als Zellen des angeborenen Immunsystems identifiziert. Bestimmte Subpopulationen weisen dabei immunsuppressive Eigenschaften auf, die ein tumorförderndes Mikromilieu schaffen und zur Resistenz gegenüber Immuntherapien beitragen könnten. Übereinstimmend damit zeigten unsere Ergebnisse aus der Einzelzell-RNA-Tiefensequenzierung (scRNAdSeq) eine OC-Population mit geringer Expression von Genen der Knochenresorption und einer hohen Expression von Immuncheckpoint-Molekülen. Darüber hinaus ergab die Analyse von Patientenbiopsien aus Knochentumoren eine hohe Anzahl von OCs, die sich in größerer Entfernung von der Knochenoberfläche befinden. Es ist daher unwahrscheinlich, dass diese Zellen an der Knochenresorption beteiligt sind; vielmehr könnten sie eine immunmodulatorische Funktion besitzen.
Auf Grundlage dieser Befunde lautet die Hypothese von IMMOSCAN, dass immunsuppressive OCs (IsOCs) ein tumorförderndes Mikromilieu im Knochen schaffen und dass die gezielte Beeinflussung von IsOCs daher eine neue therapeutische Strategie zur Begrenzung des Tumorwachstums im Knochen darstellen könnte.
Zur Untersuchung dieser Hypothese verfolgen wir drei Ziele: i) die Identifizierung und Charakterisierung von IsOCs im Knochen-Krebs-Mikromilieu, ii) die Bestimmung des Ursprungs, der Funktion und der molekularen Mechanismen von IsOCs sowie iii) die gezielte therapeutische Beeinflussung von IsOCs, um die Wirksamkeit von Immuntherapien zu verbessern und die Tumorprogression zu kontrollieren.
Patientenproben bilden die Grundlage aller Projektziele und gewährleisten damit die klinische Relevanz der Untersuchungen. Experimentell werden wir scRNAdSeq sowie modernste bildgebende Verfahren des Knochens einsetzen, um OC-Subpopulationen im Knochen-Krebs-Mikromilieu zu charakterisieren. Mechanistische Zusammenhänge werden mithilfe zell- und molekularbiologischer Methoden untersucht, während neue therapeutische Strategien zur gezielten Beeinflussung von IsOCs in präklinischen Modellen erprobt werden.
Eine umfassende Phänotypisierung der IsOCs und die Identifizierung therapeutisch adressierbarer Signalwege könnten es ermöglichen, ihre Expansion durch innovative Immuntherapien bei Knochentumoren gezielt zu unterdrücken.

Quelle: era-learn