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Präbiotische Ballaststoffe können biologische Prozesse beeinflussen, die mit der Alzheimer-Erkrankung in Verbindung stehen.

11.12.2025

Ein Team um Bastian Popper und Linda Böswald hat untersucht, welchen Einfluss der präbiotische Ballaststoff Inulin, der in bestimmten Lebensmitteln vorkommt, auf das Magen-Darm-Mikrobiom, mikrobielle Metaboliten und Marker für Neurodegeneration hat.

© BMC / LMU

Die Alzheimer-Krankheit ist eine neurodegenerative Erkrankung mit hoher globaler Häufigkeit, für die es bislang keine Heilung gibt. Zwar ist bekannt, dass die Mikrobiota-Darm-Gehirn-Achse eine Rolle bei der Krankheitsentstehung spielt, die genauen Mechanismen sind jedoch noch nicht vollständig geklärt.

In einem siebenwöchigen Fütterungsversuch mit einem Mausmodell für genetisch bedingte Alzheimer-Erkrankungen zeigten Mäuse, denen Inulin verabreicht wurde, deutliche Veränderungen der Bakteriengemeinschaften im gesamten Magen-Darm-Trakt. Begleitet wurden diese Veränderungen von deutlich höheren Konzentrationen an kurzkettigen Fettsäuren im Verdauungstrakt. Diese Metaboliten unterstützen bekanntermaßen die Intaktheit der Darmwand und können nach dem Eintritt in den Blutkreislauf auch das Gehirn beeinflussen.

Es zeigte sich, dass Mäuse, die zusätzlich mit Inulin versorgt wurden, eine geringere Amyloid-beta-Plaque-Belastung aufwiesen als unbehandelte Alzheimer-Modelltiere. Eine Proteomanalyse des Hirngewebes ergab zudem weitere Unterschiede zwischen den Gruppen. Dies deutet darauf hin, dass mikrobielle Produkte wie Acetat zu den beobachteten neuronalen Schutzwirkungen beitragen könnten.

Obwohl die Studie an einem Mausmodell durchgeführt wurde, liefern die Ergebnisse Hinweise darauf, dass gezielte Maßnahmen zur Umstellung der Ernährung dazu beitragen könnten, die Mikrobiota-Darm-Gehirn-Achse im Zusammenhang mit Neurodegeneration zu beeinflussen. Da präbiotische Ballaststoffe wie Inulin bereits Teil der menschlichen Ernährung sind, eröffnen die Ergebnisse neue Wege für die translationale Forschung, die auf spezifische Ernährungsinterventionen für Risikogruppen abzielt. Das langfristige Ziel besteht in der Entwicklung personalisierter Nahrungsergänzungsstrategien, die dazu beitragen können, das Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit zu verzögern oder abzuschwächen.

Das Projekt von dem Forschungsteam um Bastian Popper und Linda Böswald wurde wurde in enger Zusammenarbeit mit der Forschungsgruppe Imhof am BMC durchgeführt und unterstreicht den starken interdisziplinären Ansatz des Centrums.

Publikation: Linda F. Böswald et al.: Fibre supplementation alters the gastrointestinal microbiome, the microbial metabolites and indicators of neurodegeneration in a mouse model of Alzheimer´s disease. Nature Scientific Reports, September 2025