Forschung nachhaltiger gestalten: Einblicke in die BMC Green Lab Initiative
04.09.2025
Jan Bartosch ist aktives Mitglied der BMC Green Lab Initiative – einer Gruppe von Mitarbeitenden auf verschiedenen Karrierestufen, die gemeinsam daran arbeiten, nachhaltigere Praktiken in Forschungslaboren zu fördern.
Was motiviert dich, Teil der BMC Green Lab Initiative zu sein?
„Wir brauchen Menschen, die aktiv versuchen, Dinge zu verändern und zu einer nachhaltigeren Forschungsumgebung beizutragen. Das ist das Schöne an unserer Green Lab Initiative – die Zusammenarbeit mit vielen Menschen aus dem BMC, um Veränderungen anzugehen. Das motiviert mich sehr.“
"Als ich meine Masterarbeit am BMC begann, schloss ich mich der Green Lab Gruppe unseres Instituts (grINIM) an. Es war toll, andere Studierende kennenzulernen, die ebenfalls daran interessiert waren, Forschung nachhaltiger zu gestalten, und die schon kleine, aber wirkungsvolle Veränderungen anstießen. Später wurde ich Teil der übergreifenden BMC Green Lab Initiative. Sie bringt Menschen aus verschiedenen Abteilungen und mit unterschiedlichen Hintergründen zusammen, um Veränderungen im Laborumfeld voranzubringen", erzählt Jan.
Besonders wichtig ist ihm dabei, dass Beiträge von allen Ebenen einfließen – nicht nur von Studierenden, sondern auch von Postdocs, Gruppenleitern, Technikern und sogar Personen in Leitungsfunktionen. „Es ist nicht nur ein Bottom-up-Prozess. Die Unterstützung von oben – durch Führungskräfte und das Management – ist enorm hilfreich, um Veränderungen anzustoßen und die richtigen Stellen zu erreichen, um wirklich etwas zu bewirken.”
Welche Maßnahmen setzt ihr in eurem eigenen Labor und darüber hinaus um, um Veränderungen herbeizuführen?
„Oft geht es um kleine Veränderungen, die sich leicht umsetzen lassen und von allen mitgetragen werden können. Zum Beispiel Plastik-Recyclingprogramme, der Einsatz von Glas anstelle von Einwegplastik oder ganz einfach das Ausschalten von Geräten nach dem Gebrauch“, sagt Jan.
Eine der wichtigsten Maßnahmen ist ein Plastik-Recyclingprogramm. Dabei werden verschiedene Kunststoffarten – etwa PET und PS – getrennt gesammelt und recycelt. Das reduziert Abfälle erheblich. Energiesparpraktiken sind ebenfalls ein wichtiger Bestandteil. Dazu gehören konkrete Schritte wie das Ausschalten von Zentrifugen, Bakterienschüttlern oder Sterilwerkbänken, wenn sie nicht in Gebrauch sind – kleine Handlungen, die sich über die Zeit zu spürbaren Einsparungen summieren. Außerdem wurden die Einstellungen der Ultra-Tiefkühlgeräte angepasst: Sie müssen nicht immer auf –80 °C laufen. Durch die Umstellung einiger Geräte auf –70 °C konnte Energie eingespart werden, ohne die Proben zu gefährden.
„Da gibt es noch viel mehr Potenzial. Ein spannender nächster Schritt ist die Einführung einer Maschine, die Pipettenspitzen wäscht und wiederverwendet. Diese verursachen einen großen Teil des Laborabfalls. Gemeinsam mit der Firma Grenova wollen wir das bald umsetzen“, erklärt Jan.
Was waren die größten Herausforderungen bei der Einführung nachhaltiger Maßnahmen?
„Manchmal ist es schwierig, die Strukturen und Abläufe hinter bestimmten Prozessen zu durchschauen. Zum Beispiel herauszufinden, wer für das Abfallmanagement zuständig ist und was mit Plastikmüll passiert, der recycelt werden soll. Dabei hilft es enorm, dass sich Personen wie Dr. Henrike Klinker (Geschäftsführerin BMC) in der Green Lab Initiative engagieren. Sie ist gut vernetzt und bringt die richtigen Leute an einen Tisch.“
„Die größten Herausforderungen liegen oft in der Infrastruktur, weil sie bereits auf bestehende Geräte und Abläufe zugeschnitten ist. Neue, energieeffiziente Geräte einzuführen, kann daher sehr teuer sein. Umso wichtiger ist es, gemeinsam an solchen Plänen zu arbeiten und Geräte, Bemühungen und Kosten innerhalb der Green Lab Initiative zu teilen.“
Was wünschst du dir für die Zukunft unseres BMC Campus im Hinblick auf Nachhaltigkeit?
„Ich hoffe sehr, dass sich noch mehr Menschen und Institute unserer Green Lab Initiative anschließen und in ihren Laboren Veränderungen umsetzen. Oft braucht es gar nicht viel, um unseren ökologischen Fußabdruck zu verringern. Wir haben einen Nachhaltigkeitsleitfaden erstellt, den jede:r auf unserer Website herunterladen kann. Er hilft bei der Umsetzung von Maßnahmen. Es wäre großartig, wenn wir damit noch mehr Leute inspirieren und weitere nachhaltige Lösungen entwickeln könnten.
Umso mehr freue ich mich, dass das LMU Klinikum Interesse an unserem Projekt gezeigt hat und ich ihnen beratend zur Seite stehen darf.“
Welche Schritte habt ihr unternommen, um die Green Lab Initiative bekannter zu machen und mehr Menschen auf dem Campus einzubeziehen?
„Kommunikation spielt eine entscheidende Rolle – um die Menschen am Campus über unsere Aktivitäten zu informieren und mehr Beteiligung zu erreichen. Es kann wirklich helfen, die Gemeinschaft stärker einzubinden, wenn wir Bewusstsein für die unterschiedlichen Nachhaltigkeitsinitiativen schaffen und zeigen, was wir konkret tun“, so Jan.
Eine Maßnahme war das Projekt Green Fact of the Month im Jahr 2023. Dabei nutzte das Team der Green Lab Initiative die digitalen Bildschirme im BMC, um praktische Schritte vorzustellen, die es in den Laboren umgesetzt hatten. Ziel war es, zu zeigen, wie jeder einzelne dazu beitragen kann, die eigene Arbeit nachhaltiger zu gestalten.
Ein großer Meilenstein wurde bereits erreicht
Das My Green Lab-Zertifizierungsprogramm wird von der UN-Kampagne Race to Zero anerkannt und bereits in mehr als 2.000 Laboren weltweit eingesetzt. An der LMU München gehört das BMC zu den ersten Teilnehmern. Als Pilotprojekt wurde der Zertifizierungsprozess von der LMU unterstützt, und im Februar 2024 fand eine zweite Befragung statt. Ziel war es zu bewerten, wie sich die bereits umgesetzten Maßnahmen auf die Nachhaltigkeit der täglichen Laborarbeit ausgewirkt haben.
Anhand der Befragung stufte My Green Lab die Lehrstühle und Institute in Zertifizierungslevel ein. Die fünf teilnehmenden Einheiten erreichten die Level Silber (1x), Gold (1x), Platin (1x) und Grün (2x), das höchste Level. Insgesamt betrachtet hat das BMC mit Platin die zweithöchste Stufe erreicht.